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Belastende Kindheitserlebnisse (ACE), Stress und die Lösungsorientierte Maltherapie LOM

Rahel Brügger, 17.11.2023


Bei 85% aller erwachsenen Klienten[1], die bei mir in den letzten zehn Jahren im Atelier maltherapeutisch gearbeitet haben, lag mindestens eine belastende Kindheitserfahrungen (ACE[2]) zu Grunde. Die Hauptthemen, welche als Auslöser für eine Maltherapeutische Intervention dienten, waren Depression, Burnout, PTBS, Beziehungsprobleme, Angst und ADHS. Im Verlauf der kunsttherapeutischen Behandlung schien meist das aktuelle Problem in den Hintergrund zu treten und belastende Kindheitserfahrungen kamen auf’s Papier. Wenn diese gemalt und gelöst werden konnten, wurde meist auch das ausschlaggebende Problem nicht mehr als belastend empfunden.


Belastende Kindheitserlebnisse und Stress

Eine Erklärung dazu liefert Dr. Glenn R. Schirald[3] in seinem Artikel «Does worry (tied to ACE) keep you up at night?”[4]. Er erklärt basierend auf der aktuellen Hirnforschung, dass belastende Kindheitserlebnisse (ACE) das Nervensystem überlasten und dem Hirn einen ständigen Alarm-Impuls geben. «Das hypererregte Gehirn reagiert übermässig auf gegenwärtige Ängste und Stressoren, die belastende Kindheitserinnerungen auslösen.»


ACE und Krankheiten im Erwachsenenalter

Dr. Felitti[5], zusammen mit dem Center for Desease Control, führten eine breitangelegte Studie zu ACE durch. Das Resultat zeigte, dass mehr als die Hälfte der über 13'000 befragten Erwachsenen mindestens ein belastendes Kindheitserlebnis vorwiesen.[6] Je höher die Zahl solcher belastenden Situation war, desto häufiger wurden auch Gesundheitsprobleme (u.A. erwähnt: Depression, Krebs, Herz- und Lungenprobleme) sowie Substanzmissbrauch im Erwachsenenalter nachgewiesen. Die oben erwähnten Krankheiten im Erwachsenenalter waren 4-12 mal häufiger als bei Personen ohne belastende Kindheitserlebnisse.


Wie die Lösungsorientierte Maltherapie unterstützt

Während dem Malen und durch verschiedene Interventionen der Maltherapeutin wird der Stresspegel gesenkt und auf tiefem Niveau gehalten. Das Gehirn erhält während dem langsamen Malen den ständigen Impuls «es besteht keine Gefahr und es ist alles in Ordnung». Dadurch wird ebenfalls auch die Atmung verbessert, welche zu einer Reduktion von Stressoren beiträgt. Das Malen der stressbehafteten Kindheitserlebnisse hilft ausserdem, neue neuronale Verbindungen zu schaffen. Das belastende Kindheitserlebnis wird durch das Malen vom Stressgefühl entkoppelt. Die ruhige Atmosphäre und die tiefe Atmung verknüpfen sich mit dem Erinnerungsbild. Bei extrem traumatischen Bildern hilft es ausserdem, das erinnerte Bild auf dem Papier «in Ordnung zu bringen». Lückenhafte oder Fehlerhafte Erinnerungsbilder werden im Lösungsorientierten Malen korrigiert und somit im Gehirn nicht mehr als gefährlich und Alarm auslösend wahrgenommen. Dies schafft die Grundlage für eine dauerhafte Stressreduktion und zur Verbesserung der aktuellen Lebenssituation.

[1] Die Zahl wurde unter Ausschluss der nicht korrelierten ACE’s geschätzt. [2] Adverse childhood experience: belastenden Kindheitserlebnissen. «Unterschiedliche Kindheitserlebnisse, die negative und anhaltende Effekte auf Gesundheit und Wohlbefinden haben können». Definition Abgerufen am 17.11.23 unter: https://www.aerzteblatt.de/archiv/209814/Praevalenz-und-Folgen-belastender-Kindheitserlebnisse-in-der-deutschen-Bevoelkerung [3] Schiraldi, G. R. (2021). The Adverse Childhood Experiences Recovery Workbook: Heal the Hidden Wounds from Childhood Affecting Your Adult Mental and Physical Health. Oakland, CA: New Harbinger Publications [4] Psychology Today blog post, November 8, 2023 [5] Felitti VJ, Anda RF, Nordenberg D, et al.: Relationship of childhood abuse and household dysfunction to many of the leading causes of death in adults. The Adverse Childhood Experiences (ACE) Study. Am J Prev Med 1998; 14: 245–58 CrossRef. Abgerufen am 17.11.12 auf https://www.ajpmonline.org/article/S0749-3797(98)00017-8/fulltext [6] Gefragt wurde nach psychischem, körperlichem oder sexuellem Missbrauch, Gewalt gegen die Mutter oder Zusammenleben mit drogenabhängigen, psychisch kranken oder suizidgefährdeten Haushaltsmitgliedern


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